Du hast etwas gepostet und schaust jetzt alle paar Minuten nach, ob jemand reagiert hat. Du hast im Meeting einen Gedanken geteilt – und die Runde ging einfach zur Tagesordnung über. Du hast im Stillen etwas Gutes getan, aber niemand hat es bemerkt.
William James, der Begründer der amerikanischen Psychologie, nannte das Verlangen nach Anerkennung einmal das tiefste Prinzip der menschlichen Natur. Er gestand das erst spät und fast verlegen ein – nachdem ihm Studierende zum Dank Blumen geschenkt hatten. Dass ausgerechnet er dieses Thema so lange übersehen hatte, lag wohl daran, dass er es selbst bis dahin kaum erlebt hatte.
Wir reden heute ständig über Wertschätzung. Das Wort füllt Management-Handbücher, Teambuilding-Plakate und Kirchenprogramme. Dennoch fühlen sich weltweit nur etwa 22 % der Beschäftigten ausreichend anerkannt. Irgendetwas stimmt hier nicht.
TCG-Talk legt vor mit dem Artikel:
Warum Menschen auf Anerkennung warten – und wie eine Welt aussieht, die sie großzügig schenkt
Dieser Artikel sucht nach der Wurzel des Problems – und fängt beim Begriff selbst an. Das Wort „schätzen“ leitet sich vom „Schatz“ ab, vom Taxieren einer Münze. Jemanden zu schätzen bedeutet sprachlich also: ihm einen Preis zuzuweisen. Einen Preis, der steigen und fallen kann. Genau hier liegt der Haken bei Like-Zählern, Sterne-Systemen und einem Lob, das doch nie ganz reicht. Wir haben unser Bedürfnis nach Würde in eine Währung verwandelt – und wundern uns, dass wir uns am Ende arm fühlen.
Was als kurzer Streifzug durch die Wortgeschichte beginnt, wird zu einer Weltreise: von der Ubuntu-Philosophie in Südafrika über das Konzept des „Gesichts“ in China bis in die Anden. Wir begegnen Kant und Hegel, blicken auf Hirnscans von Teenagern und hören Jim Carrey zu, der sagt: Jeder sollte einmal alles erreichen, um zu verstehen, dass darin nicht die Antwort liegt.
Am Ende steht keine große Geste. Es bleibt ein einfacher Unterschied, den die Weisheitslehren der Menschheit seit Jahrhunderten kennen: der Unterschied zwischen Preis und Würde. Zwischen einem Wert, den man sich erst verdienen muss – und einem Wert, der immer schon da ist. Ein Wert, der nicht weniger wird, wenn man ihn verschenkt.

