Klaus-André Eickhoff begeistert mit „Glaubensreise“ im TCG-Ohof – ein Soloabend am Flügel zwischen Tiefgang und Sprachwitz
MEINERSEN. Es gibt Konzerte, die hört man – und es gibt Abende, die tagelang
nicht Loslassen. Was Klaus-André Eickhoff am Samstag im TCG-Ohof abgeliefert hat, gehörte eindeutig in die zweite Kategorie. Ein Mann. Ein Piano. Zwei Stunden. Mehr Bühnentechnik braucht es nicht, wenn die Lieder so sitzen wie bei diesem Liedermacher, den die Presse seit Jahren als „Wort Akrobat“ und „Meister der leisen Töne“ beschreibt. Beides stimmt. Aber an diesem Abend in Meinersen wurde schnell klar: Eickhoff kann auch laut. Nicht in der Lautstärke. In der Genauigkeit. Ein einziger Satz aus einem seiner Lieder kann im Raum stehen wie ein Stein, der ins stille Wasser fällt – und die Kreise ziehen sich dann durch das ganze Publikum.
Vom Pastorensohn zum Zweifler – und weiter
Aufgewachsen ist Eickhoff als Pfarrerskind. Er kennt die Welt des Glaubens von innen, weiß, wie sie riecht, wenn sie trägt, und wie sie klingt, wenn sie knarzt. Das hört man jeder Zeile an. Mit dem Lied „Pastorensohn“ eröffnete er den Abend – fast lakonisch, mit jenem trockenen Humor, der das ganze Konzert tragen sollte. Wenig später, in „Kinderglaube“, wurde es eng. Es war der Moment, in dem im Saal hörbar niemand mehr atmete.
Dann „Flehendes Gebet“. Ein Lied, bei dem die Worte enden und nur noch der Flügel weiterspricht. Der Musiker Arne Kopfermann hat über genau dieses Stück geschrieben, es treibe ihm „Tränen in die Augen“. In Meinersen wäre er damit nicht allein.
Tiefgang mit Augenzwinkern
Und doch – Eickhoff bleibt nirgends in der Schwere stecken. „Tiefgang mit Augenzwinkern“, so hatte das Veranstalterteam den Abend im Vorfeld angekündigt. Es war keine leere Werbeformel. Wenn dieser Mann am Klavier sitzt, kann ein einziger Halbsatz den ganzen Saal zum Lachen bringen – und drei Sekunden später trifft die nächste Zeile direkt ins Eingemachte. „Ode an den Zweifel“ ist so ein Stück: ein augenzwinkerndes Hoch auf das Fragezeichen, das in vielen frommen Räumen eher ungern gesehen wird. Bei Eickhoff darf es Platz nehmen, sich setzen, mitsingen.
Er ist eben kein Musiker, der seinem Publikum auf billige Art ein gutes Gefühl verkaufen will. Er traut sich, ehrlich zu sein. Genau das machte den Abend so kostbar. Und so unterhaltsam zugleich. Der katholische Pfarrer und Bestsellerautor Stefan Jürgens hat das einmal so über Eickhoffs Programm beschrieben: „Er belehrt nicht, sondern gibt ein persönliches Zeugnis jenseits aller Dogmatik.“ Treffer.
Eine Reise, die mit einer Frage beginnt
„Glaubensreise“ – der Programmtitel ist Programm. Eickhoff nimmt sein Publikum tatsächlich mit. Vom Kinderzimmer, in dem Gott noch ein freundlicher Vater oder ein strenger Beobachter war, durch die Lebenskrisen, in denen das alte Bild brüchig wird, bis zu jenen seltenen Momenten, in denen man wieder etwas spürt, das man Hoffnung nennen darf. „Ein Moment tiefen Friedens“ hieß eines dieser Lieder – und es war genau das.
Inspiriert ist das Programm auch von zahlreichen Gesprächen, die Eickhoff in seinem Podcast „jetzt wird’s PERSÖNLICH“ geführt hat. Man hört es seinen Liedern an: Hier hat einer nicht nur in sich selbst hineingehört, sondern auch in andere.
Dass er das alles allein am Piano zum Klingen bringt – ohne Band, ohne Streicher, ohne Show – war an diesem Abend keine Verkleinerung, sondern eine Verdichtung. Jeder Akkord saß. Jede Pause auch.
Lieder, die mit nach Hause gehen
Mit „Deine Reise“ verabschiedete sich Eickhoff schließlich – und schickte sein Publikum mit einem leisen, ermutigenden Ton in die Nacht: Jeder Mensch geht seinen eigenen Weg. Niemand muss den Glauben des Nachbarn nachturnen.
Beim Hinausgehen hörte man, was sich Veranstalter solcher Abende wünschen: Gespräche. Echte. Nicht das übliche „Schön war’s“, sondern Sätze wie „Diese Zeile war für mich“ oder „Ich glaub, ich kauf mir morgen das Buch“. Apropos Buch: Das gleichnamige Werk im 21-x-21-Format mit allen Liedtexten, Zwischentexten und Podcast-Zitaten lag am Ausgang aus, und es wurde an diesem Abend deutlich öfter mitgenommen, als die Auflage vermuten ließ.
Bleibt der Satz, den der Veranstalter im Vorfeld in seine Ankündigung geschrieben hatte und der sich an diesem Abend bewahrheitet hat: Manchmal öffnet ein Lachen Türen, durch die Hoffnung wieder hereinkommt. In Meinersen standen am Samstag eine ganze Reihe solcher Türen offen.
Klaus-André Eickhoff: „Glaubensreise“. Solokonzert am Flügel. TCG-Ohof, Meinersen, 9. Mai 2026. Buch und CD zum Programm sind im cap-Verlag erschienen.
