Zwei Stunden Wohnzimmer – spritzige Gemütlichkeit

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Manche Konzerte hört man. Dieses hier hat man erlebt. Am Sonntag, den 23. AuguSuperzwei – TCG-Ohofst, wurde der Saal des TCG-Ohof für zwei Stunden zum größten Wohnzimmer der Region. Kein Rampenlicht, keine Bühnenkante, keine Distanz. Nur zwei Männer, ihre Instrumente und ein Nachmittag voller Geschichten.

Zu Gast waren Superzwei: Volker Schmidt-Bäumler und Jakob Friedrichs. Seit 1987 stehen die beiden gemeinsam auf der Bühne. Über 1.500 Auftritte haben sie gespielt. Und man merkt ihnen jede Minute davon an. Sie kennen den richtigen Moment für einen Lacher – und den für die Stille danach.

Schon vor dem ersten Ton lag Wärme im Raum. Auf den Tischen dampfte der Kaffee, daneben warteten Schalen mit Knabbereien. Man grüßte sich von Stuhl zu Stuhl, als kenne man sich längst. „Wir fangen an, wenn alle da sind.“ Dieser Satz war Programm. Niemand hatte es eilig – und genau so beginnt ein guter Nachmittag.

Das TCG-Ohof ist kein großes Konzerthaus. Es ist ein kleines, gemeinnütziges Kulturhaus in Meinersen. Für diesen Nachmittag standen die Stühle mit kleinen Tischen gruppiuert, dazu warmes Licht statt Scheinwerfer. Man saß nicht vor der Musik. Man saß mittendrin. Genau das macht ein Wohnzimmerkonzert aus. Ja – die Sofas ließen sich so schnell nicht ranschaffen – dafür aber diesen Beiden aus dem Süden.

Dann ging es los. Superzwei nennen ihr Programm „hessischen Musikblödsinn mit Tiefgang“. Und genau so kam es. In einem Moment lachte der ganze Saal, im nächsten wurde es mucksmäuschenstill.

Den Auftakt machte „Schönheitschirurgie“, mit spitzer Feder über Schönheitswahn und Selbstbild. Kurz darauf der erste große Lacher: „Es ist so geil ein Star zu sein“. Die beiden spielten den eitlen Superstar mit sichtlicher Freude – bis die Pointe am Ende alles auf den Kopf stellte. Der Saal war sofort mittendrin.

Musikalisch trugen die beiden das mühelos. Volkers Gitarre wechselte zwischen zartem Zupfen und pointierten Soli. Darunter lief ein warmer, trockener Bass. Nichts wirkte aufgesetzt. Hier spielten zwei, die ihre Lieder in- und auswendig kennen.

Dann wurde es leiser. „Jaqueline“ erzählt von einer Schwärmerei aus der Ferne, aus der beim Wiedersehen ein selbstironisches Schmunzeln wird. „Zuggerschneggsche“ schickte einen hessischen Genussmenschen quer durchs Land, dem kein Date gegen ein gutes Essen ankommt. Und „Pubertät“ traf mitten ins Herz aller, die diese Jahre kennen – viele im Saal nickten wissend.

Zwischen den Lachern blitzte immer wieder der Tiefgang auf. „Ein Abendgebet“ pendelt zwischen echter Dankbarkeit und kleinem Gemecker. „Ich laufe, ich falle“ handelt vom Hinfallen und Aufstehen. „Gefunden“ singt von Halt und davon, angenommen zu sein. Bei „Halt mich“ wurde es ganz zart – wenige Worte, viel Gefühl. Und „Warum sind wir hier“ stellte für einen Moment die ganz große Frage. Ohne Pathos, ganz nah dran. Man hätte eine Stecknadel fallen hören. Für einen Augenblick dachte der ganze Saal gemeinsam nach – und atmete danach hörbar auf.

Und das Publikum? Großartig. Es sang mit, wo es durfte. Es hielt den Atem an, wo es still wurde. Auf trockene Ansagen kamen prompt Zurufe. Eine vierte Wand gab es an diesem Nachmittag nicht – und niemand hat sie vermisst.

Zum Finale noch einmal volles Tempo: „Mr. Pharao“, die Mose-Geschichte als augenzwinkernder Hip-Hop, mit Wortwitz und Groove. Fast sechs Minuten, die im Flug vergingen. So klingt Kirchenkabarett, das nie angestaubt wirkt.

Nach gut zwei Stunden verklangen die letzten Akkorde. Die Tassen waren leer, die Schalen geplündert. Doch keiner stand auf. Was blieb, war ein warmes Gefühl – Musik, Humor und Tiefgang in genau der richtigen Mischung. Man ging nicht als Zuschauer nach Hause, sondern als Teil eines schönen Nachmittags.

Es hat angefangen, als alle da waren. Und aufgehört, als keiner mehr gehen wollte.

Lust auf mehr? Den ausführlichen Konzertbericht – mit allen 15 Liedern der Setlist und Links zu den Songtexten – findet ihr auf www.tcg-ohof.de. Reinlesen lohnt sich. Und wer Superzwei einmal selbst erleben möchte, sollte die nächste Gelegenheit nicht verpassen. Bis dahin bleibt die Erinnerung an einen Nachmittag, an dem ein ganz normaler Saal für zwei Stunden zum Wohnzimmer wurde.

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