Was Heizen und Tanken wirklich kosten: Produktpreis, Steuern, CO₂-Preis und staatliche Maßnahmen, transparent aufgeschlüsselt. Oben umschalten zwischen Heizkosten und Treibstoff.
Öl, Gas und Strom (Wärmepumpe) im Vergleich: Produktpreis, Steuern und CO₂-Preis, für drei ganz unterschiedliche Verbraucher – vom Single bis zum Gemeindehaus. Und was der Staat gerade ändert.
Vier Bausteine ergeben die Jahreskosten: Produktpreis, die energieträgerspezifische Steuer, CO₂-Preis (bzw. Umlagen bei Strom) und Mehrwertsteuer.
| Baustein | ct / Einheit | Anteil am Preis | Kurz erklärt |
|---|---|---|---|
| Gesamtpreis | 100 % |
Der steuerfreie Teil des Preises – Einkauf, Netz bzw. Rohöl, Transport, Raffinerie und Vertrieb, je nach Energieträger.
| Station | ct / Einheit | Anteil am Produktpreis | Kurz erklärt |
|---|
Öl und Strom umgerechnet auf kWh Wärme (Heizöl über den Brennwert, Strom über die Arbeitszahl der Wärmepumpe), damit alle drei Heizarten direkt vergleichbar sind. Entwicklung seit 2002.
Was der Staat in den letzten Jahren geändert hat – und was gerade diskutiert oder beschlossen wird.
Seit 2021 zahlt, wer mit Öl oder Gas heizt, einen CO₂-Preis: 25 €/t (2021) über 45 €/t (2024) bis 55–65 €/t (2026, jetzt in einem Korridor statt fest). Der eigentlich für 2027 geplante Übergang zum freien EU-Emissionshandel (ETS2) wurde auf 2028 verschoben – der Preis bleibt vorerst gedeckelt.
Von März bis Dezember 2023 deckelte der Staat den Gaspreis auf 12 ct/kWh und den Strompreis auf 40 ct/kWh – jeweils für 80 % des Vorjahresverbrauchs, der Rest zum Marktpreis. Beide Bremsen sind zum 31.12.2023 ausgelaufen, eine mögliche Verlängerung bis März 2024 wurde nicht genutzt.
Bis Mitte 2022 zahlte jeder Haushalt zuletzt 6,5 ct/kWh EEG-Umlage über die Stromrechnung. Seit Juli 2022 finanziert der Bund den Ökostrom-Ausbau aus dem Haushalt statt über die Rechnung – ein dauerhafter Rabatt, der in unserem Modell schon im aktuellen Strompreis steckt.
Seit 1.1.2026 zahlt das produzierende Gewerbe nur noch den EU-Mindestsatz Stromsteuer (0,05 statt 2,05 ct/kWh). Private Haushalte sind trotz eines anderslautenden Koalitionsversprechens ausdrücklich ausgenommen und zahlen weiterhin die vollen 2,05 ct/kWh.
Wer eine alte Öl-, Gas- oder Nachtspeicherheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt, kann bis zu 70 % der Kosten fördern lassen: 30 % Grundförderung, plus 30 % Einkommensbonus (Haushaltseinkommen bis 40.000 €/Jahr), plus ein Klimageschwindigkeitsbonus, der aktuell bei 16 % liegt und alle sechs Monate sinkt.
Das im Juli 2026 beschlossene Gebäudemodernisierungsgesetz hat die frühere 65-%-Erneuerbare-Pflicht für neue Heizungen gestrichen. Neue reine Ölheizungen dürfen weiter eingebaut werden, müssen aber schrittweise mit Bio-Anteilen gemischt werden: 10 % ab 2029, steigend bis 60 % ab 2040.
2026 zahlt der Bund 6,5 Milliarden Euro an die Übertragungsnetzbetreiber, um die Netzentgelte für alle Stromkund:innen zu senken – geschätzte Entlastung: rund 100 Euro pro Jahr und Haushalt. In unserem Modell ist dieser Zuschuss schon im aktuellen Strompreis enthalten.
Vom Bohrloch bis zur Tanksäule: Rohölkosten, Transport, Raffinerie, Vertrieb – und was der Staat über Energiesteuer, CO₂-Preis und Mehrwertsteuer dazu nimmt. Kraftstoff, Rohölherkunft und Ansicht lassen sich unten umschalten.
Vier Bausteine ergeben den Literpreis: Produktpreis, Energiesteuer, CO₂-Preis und Mehrwertsteuer.
| Baustein | ct / Liter | Anteil am Endpreis | Kurz erklärt |
|---|---|---|---|
| Gesamtpreis | – | 100 % |
Der steuerfreie Produktpreis zerfällt in vier Stationen der Lieferkette – vom Bohrloch bis zur Tankstelle. Die Herkunft des Rohöls wirkt sich vor allem auf die ersten beiden Stationen aus.
| Station | ct / Liter | Anteil am Produktpreis | Kurz erklärt |
|---|---|---|---|
| Produktpreis | – | 100 % |
Deutschland bezieht Rohöl aus vielen Ländern gleichzeitig – nicht aus einer einzigen Quelle. Anteile an den deutschen Rohölimporten 2025:
Nach den amtlichen Zahlen liegt kein weiteres Einzelland über 5 % – „Naher Osten" ist zudem eine Destatis-Sammelkategorie (v. a. Irak, Emirate, Saudi-Arabien), kein einzelnes Land. Die „weiteren Länder" verteilen sich u. a. auf Kasachstan, Großbritannien und Nigeria, ohne veröffentlichte Einzelanteile.
Steuervergünstigungen gibt es einige – die meisten zielen aber auf bestimmte Nutzergruppen, nicht auf die Mineralölkonzerne selbst.
Landwirtschaft und Forstwirtschaft erhalten einen Teil der Energiesteuer auf Diesel zurück – das Geld fließt an die Betriebe, die tanken, nicht an die Mineralölfirmen.
Flugbenzin für den internationalen Luftverkehr ist auf Basis internationaler Abkommen von der Energiesteuer befreit. Das begünstigt Fluggesellschaften – der Effekt entsteht am Verbrauch, nicht als Rücküberweisung an Raffinerien.
Energieintensive Industriebetriebe können einen Teil der Energie- und Stromsteuer zurückerhalten. Auch das betrifft die Abnehmer von Kraftstoffen und Energie, nicht die Ölkonzerne.
Mineralölfirmen müssen den Treibhausgasausstoß ihrer Kraftstoffe senken – durch Biokraftstoff-Beimischung oder den Kauf von Quoten (u. a. von E-Auto-Haltern). Für die Firmen ist das überwiegend eine Kostenposition, keine Erstattung; sie wird über den Produktpreis an der Zapfsäule weitergereicht.
Der größte staatlich verursachte Preisunterschied ist kein Rabatt an Unternehmen, sondern die niedrigere Energiesteuer auf Diesel selbst (47,04 ct/l statt 65,45 ct/l bei Benzin) – vom Umweltbundesamt seit Jahren als umweltschädliche Subvention kritisiert, weil Diesel pro Liter mehr CO₂ verursacht.
Ist Rohöl teurer geworden, oder sind Raffinerie- und Vertriebskosten gestiegen? Eine Modellrekonstruktion aus echten Brent-Preisen, Wechselkursen und den realen Jahrespreisen.
Produktpreis (netto) = realer ADAC-Jahrespreis, abzüglich der jeweils gültigen Energiesteuer und des CO₂-Preises, herausgerechnet aus dem Bruttopreis (÷ 1,19 bzw. ÷ 1,16 in H2 2020). Das ist exakt.
Der Rohölanteil ist eine Schätzung aus dem realen Brent-Jahresdurchschnittspreis (US-$/Barrel) und dem EUR/USD-Wechselkurs, umgerechnet auf Cent pro Liter und so skaliert, dass er 2026 zum Modell oben passt. Die Differenz zum Produktpreis („Rest") ist Raffinerie, Transport und Vertriebsmarge zusammen – nicht einzeln bekannt.
Jahresdurchschnitt Super/Super E10 und Diesel in ct/Liter. Der letzte Punkt 2026 folgt der Auswahl oben (aktueller Modellwert statt Jahresmittel, da das Jahr noch läuft).
Energiesteuer, CO₂-Preis und Mehrwertsteuer für die oben gewählte Kraftstoffart, Jahr für Jahr – und wie viel davon einfach daher kommt, dass der Preis gestiegen ist.